Bodenschneid, 1669 m

Bodenschneid, Tegernsee, Schliersee, Spitzingsee

Von der Monialm - Zwischen Tegernsee und Spitzingsee

Früher, als die Münchner noch mit der Bahn nach Fischhausen-Neuhaus gefahren sind und von dort zu Fuß zur Bodenschneid hinauf pilgerten, da war es noch eine stattliche Tour auf diesen klassischen Wandergipfel hinauf. Es war halt noch eine andere Zeit und eine Besonderheit, im Kreise der wenigen Bergler dort oben aus dem Leinenrucksack seine Brotzeit herauszuholen und mit Blick auf den Tegernsee sein Bier genüsslich durch die Kehle rinnen zu lassen. Heute ist die Tour zur Halbtagestour abqualifiziert: Man fährt zum Spitzingsee und spaziert über die Firstalmen zur Bodenschneid hinauf. Dennoch ist die Bodenschneid ein lohnendes Bergziel geblieben. Nicht nur dieGipfelschau hinaus ins Oberland, auf die Waldberge der näheren Umgebung und hinüber ins Karwendel lockt viele Besucher an, auch ein paar Hütten mit Einkehrmöglichkeiten steigern die Attraktivität dieser Tour. Weil die Wege in der Nähe der Firstalmen so überlaufen sind, wird hier eine Route vorgestellt, die zwar etwas steiler, dafür aber verhältnismäßig ruhig geblieben ist.

Kurzinfo

Talort: Enterrottach, 784 m, Vorort östlich von Rottach-Egern am Tegernsee, an der (weiter oben) mautpflichtigen Forststraße in die Valepp gelegen.

Ausgangspunkt: Kisten-Winterstube, 950 m. Im Sommer Busverbindung von Rottach-Egern.

Gehzeit: 4.45 Stunden.

Höhenunterschied: 915 m im Auf und Abstieg.

Anforderungen: Leichte, aber weite Bergwanderung.

Einkehr: Bodenschneidhaus (Übernachtungsmöglichkeit), Obere Firstalm, Untere Firstalm, Suttenalm, Bäckeralm.

Die Versuchung ist groß, bei der Müllsammelstelle Sutten-West (Kisten- Winterstube, 1) den Wegweisern Richtung Sutten zu folgen. Wir aber gehen links (gegen Norden), also neben der Straße dahin und am großzügig angelegten Spazierweg gut 5 Minuten talwärts, bis sich im Wald breite Wege kreuzen. Dort halten wir uns rechts und folgen in Kehren der alten, befestigten Wegetrasse durch Schatten spendenden Buchenwald bergwärts. Der Weg wendet sich von Osten nach Norden zum Jagdhaus (2) und führt aus dem Laubwald in dichten Fichtenwald hinein. In etlichen weiten Kehren kommen wir durch Bergwald, dann wieder über ausgedehnte Lichtungen auf die Matten der Bodenalm (3). Von dort zeigen sich der Tegernsee und hoch oben auch das gewaltige Gipfelkreuz der Bodenschneid recht eindrucksvoll. Doch dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Der Höhenunterschied beträgt noch rund 300 Meter und das bedeutet noch eine knappe Stunde Aufstiegszeit. 

Von der Bodenalm und der kleinen Skihütte, die etwas darüber steht, steigen wir am Waldrand gegen Osten steil und mühselig in Kehren weiter, zum Schluss ein wenig über Felsen, bis wir endlich das Gipfelkreuz auf der Bodenschneid (4) erreichen.

Bei der Vielzahl der Wanderwege rund um die Bodenschneid wäre es schade, würden wir einfach am Aufstiegsweg wieder absteigen. Außerdem gibt es noch gemütliche Hütten und Wirtshäuser, die wir besuchen können. Wir gehen also vom Gipfelfelsen nur ein paar Meter am Aufstiegsweg zurück, biegen dann rechts ab, um südöstlich des Rinnerspitz über das glattpolierte Kalkgestein Richtung Bodenschneidhaus zu schlittern. An einigen Stellen muss man gehörig aufpassen, dass man nicht unfreiwillig zum Sitzen oder gar ins Rutschen kommt. Im schütteren Wald stoßen wir zu einer Wegverzweigung (5), von wo es nach links zum Bodenschneidhaus (6) der DAV-Sektion Bodenschneid geht. Ein Hausnummernschild am Wintereingang verrät letzten Zweiflern, wo sie sind: »Bodenschneid 1« steht darauf geschrieben.

Der weitere Rückweg führt bis zur Wegverzweigung am Hüttenzuweg zurück, dann aber links weiter, wo wir uns rechts halten und durch Kraut und Buschwerk mehrmals leicht auf und ab weitergehen. Besonders bei feuchtem Wetter wird es dort wieder arg rutschig, bis die Wegverzweigung (7) westlich der Krettenburg erreicht wird. Nach dem Weidezaun gehen wir im Wald links und kommen bald darauf zur Oberen Firstalm (8). Sie ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel, das vom Spitzingsattel am Trautweinweg schnell und leicht erreicht werden kann. Bewirtschaftet ist sie das ganze Jahr über. Es gibt 17 Betten und zusätzlich Lager. Die Brotzeiten, die dort gereicht werden, holt man sich in Selbstbedienung an der Theke. »Germknödel mit Vanillesoße abholen!«, tönt es aus dem Lautsprecher, und das hört man bis zur Unteren Firstalm (9) dröhnen. Das ist schon eine besondere Art von Bergidylle.

Wir erreichen die Untere Firstalm am gut hergerichteten Weg gegen Süden in 10 Minuten. Von dort steigen wir über die weite Wiese neben dem Skilift Richtung Suttenstein hinauf und stehen dann auf der Höhe von rund 1400 m im bewaldeten Sattel (10) neben dem Suttenstein. Nun gehen wir gegen Süden in den Wald hinein. Rechts ragen die Felsen des Suttensteins auf, doch wird der Wanderer keinen Blick für diese bizarren Gebilde haben, denn seine Aufmerksamkeit gilt vorsichtshalber dem enorm steilen Lehmboden, über den er irgendwie aufrecht hinunter sollte.

Nach den schwierigeren Abstiegsmetern und mit hoffentlich noch sauberem Hosenboden erreichen wir ein Weglein, das durch feuchte Wiesen gegen Südwesten zur Suttenalm (11) und unter den Sessellift der Suttenbahn führt. Wir wandern ein Stück gegen Süden, später Südwesten zur Bäckeralm (12). Von der Alm folgen wir noch ein kurzes Stück dem asphaltierten Fahrweg hinab und biegen dann rechts ab, um dem Wegschild zur Suttenbahn-Talstation zu folgen. Wieder kommen wir in feuchte Wiesen, bis die Route über eine Brücke zu einem Fahrweg stößt. Dort gehen wir dann nach Westen weiter, an vielen Wochenend-Quartieren vorbei und steil zum Ausgangspunkt zurück.

Mit freundlicher Genehmigung des Rother Bergverlages
Rother Wanderbuch Münchner Wanderberge von Siegrid Garnweidner ISBN 978-3-7633-3011-9

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Über den Autor

Jörg Bornmann

Als ich im April 2006 mit Wanderfreak an den Start ging, dachte noch keiner an Blogs. Viele schüttelten nur ungläubig den Kopf, als ich Ihnen von meinem Traum erzählte ein reines Online-Wandermagazin auf den Markt zu bringen, welches eine hohe journalistische Qualität aufweisen kann, eine Qualität, die man bisher nur im Printbereich kannte. Mir war dabei bewusst, dass ich Reisejournalisten und Spezialisten finden musste, die an meine Idee glaubten und ich fand sie.