Ein Traum von einem Wanderweg, "Gletscherblick" in Reit im Winkl
- Chiemgau / Wandertouren
- Mittwoch, 23. November 2011
Reit im Winkl, Samstag 10.09.2011, Deutschlands schönster Premiumwanderweg wird eröffnet. So knapp und emotionsfrei könnte man eines meiner schönsten Wandererlebnisse in diesem Jahr beschreiben, aber was ich an dem Tag sehen, erleben und fühlen durfte, war schon etwas ganz Besonderes.
Treffpunkt ist bei Kaiserwetter in Reit im Winkl an der Tourist-Information. Eine Gruppe von Journalisten aus ganz Deutschland wurde vom Chiemgau Tourismus und der Gemeinde Reit im Winkl eingeladen die beiden neuen Premiumwanderwege „Gletscherblick“ und „Almgenuss“ zu eröffnen und einen Eindruck bei einer Wanderung über den „Gletscherblick“ zu bekommen.
Mit einem Busshuttle geht es von Reit im Winkl zur Hindenburghütte. Hier erwartet uns Jochen Becker vom Deutschen Wanderinstitut, der mit Florian Weindl von der Tourist-Information Reit im Winkl maßgeblich an der Planung der Premiumwanderwege beteiligt war. Nach einem kurzen offiziellen Teil und der Überreichung der Auszeichnungen an Herrn Bürgermeister Josef Heigenhauser für
Deutschlands schönsten Premiumwanderweg, nach den Zertifizierungskriterien des Deutschen Wanderinstituts, brechen wir zum Ausgangspunkt des Rundweges beim „Sulzner Kaser“ auf. In Begleitung von Anette, Florian, dem Bergführer Sepp und dem Bürgermeister führt uns der Weg über die wunderschöne Hemmersuppenalm. Eine uralte Kulturlandschaft mit zahlreichen Kasern, die sich
ausschließlich durch die Beweidung erhält. Deutlich wird uns das von Anette vor Augen geführt als wir den inneren Almbereich verlassen. Hier im äußeren Almbereich, der nicht so intensiv beweidet wird sind die Grasflächen mit Büschen und Krüppelgehölzen durchzogen. Würde man mit der Beweidung auf der Alm aufhören, der Wald hätte sich innerhalb von 10 Jahren die Almflächen einverleiben, eine der ältesten Kulturlandschaften und damit eine bedeutende Pflanzenvielfalt wäre verloren.
Wir erreichen die St. Annakapelle auf der Oberen Hemmersuppenalm und halten für einen kurzen Augenblick inne. Anette berichtet uns vom harten, aber auch freien Leben der Sennerinnen, die auf der Alm dem harten Regiment der Bauern im Tal nicht direkt ausgesetzt waren. Und einmal, so erzählt es die Sage, half eine schwarze Äskulapnatter einer jungen Sennerin, indem sie ein goldenes Krönchen in eine Milchschale fallen ließ. So zu Wohlstand gekommen, konnte die vorher bettelarme Sennerin den geliebten Jungbauern heiraten und dem Glück der beiden stand nichts mehr im Wege. Noch ein Stück durch den Wald und wir machen vor dem ersten Aufstieg eine kleine Rast.
Gestärkt mit Schmalzgebäck und Vogelbeerschnaps geht es weiter durch die verschiedenen Vegetationszonen, Bergmischwald, Lärchenwald und schließlich Latschenflächen. Besonders auffallend sind im oberen Bereich der Mischwaldzone die Buchengruppierungen, oft mehr als 5 Buchen geben sich gegenseitig Halt und Schutz gegen das oft raue Bergklima. Von diesem spüren wir heute nichts, wie bestellt strahlt uns beim Erreichen der Latschenflächen der Bayerische Himmel weiß und blau entgegen. Wir sind bereits jetzt überwältigt von der Vielfalt der Eindrücke und den ersten Panoramen, doch ahnen wir nicht, welche wunderbaren Ausblicke uns noch erwarten.
Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir auf etwa 1.500 m die Durchkaseralmen. Senner und Sennerin, die schon viele Sommer auf der Alm verbracht haben verwöhnen uns mit Buttermilch, Holunderschorle, Radler und einer Brotzeit mit Speck und Käse. Bevor wir so gestärkt weiter gehen, zeigen die Beiden uns noch ihre Almhütte und selbst ins
Allerheiligste, ins Schlafgemach dürfen wir hineinschauen. Mit einem kräftigen Abschiedsjodler werden wir auf den weiteren Weg geschickt.
Es geht vorbei an Latschenfeldern und was wir jetzt zu sehen bekommen, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Berchtesgadener Alpen, Loferer Steinberge, Kitzbühler Alpen, Hohe Tauern bilden ein Rundumpanorama, dass die Augen und auch die Fotoapparate nicht zur Ruhe kommen lässt. Jetzt schlägt die große Stunde von Bergführer Sepp, an jeder Ecke zeigt sich ein neues, fast meint man noch beeindruckenderes Panorama
und er nennt uns jeden einzelnen Berg beim Namen. Der Blick auf Großglockner und Großvenediger mit ihren Eis- und Schneefeldern wird frei. Hier hat sich der Herrgott besonders angestrengt, um den Menschen im Chiemgau und uns Besuchern ein so außergewöhnlich schönes Fleckchen Erde zu schenken.
Nach 45 Minuten Wegzeit biegt der Weg ab Richtung Straubinger Haus. Wer jetzt enttäuscht ist, dass er diese Aussichten hinter sich lassen muss, braucht den Kopf nicht hängen zu lassen. Ganz im Gegenteil, wenn er den Blick hebt, wird dieser auf Wilden und Zahmen Kaiser gerichtet sein. Noch einmal 15 Minuten und wir erreichen das Straubinger Haus. Nach einem weiteren Getränk, dass wir uns sicher verdient haben, machen wir uns durch den Bergwald auf den Rückweg zu unserem Ausgangspunkt. Voller wunderschöner Eindrücke erreichen wir die Hindenburghütte und sicher jeder von uns würde diesem Weg die höchste Punktzahl bei der Zertifizierung geben, die je ein Premiumwanderweg in Deutschland erhalten hat, nämlich 92 von 100 möglichen Punkten, so wie es die Zertifizierer vom Deutschen Wanderinstitut getan haben.

