Hautnah am Berg - Klettersteige in den Dolomiten
Hautnah am Berg - Klettersteige in den Dolomiten
Die Dolomiten bieten Klettersteige für Anfänger und Fortgeschrittene in ihrer einzigartigen Naturkulisse. Die hier von Gabi Dräger beschriebenen vier Klettersteige bieten einen Querschnitt durch das Angebot. In einem dreitägigen Anfängerkurz kann man bei der „BERGSCHULE Bergführer Vereinigung Gröden (Meisulesstr. 144, I-39048 Wolkenstein, Tel.: 0039-0471-794133, Mobil: 0039-3358377744, e-mail:
This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
, Internet: www.guidegardena.com, Öffnungszeiten im Sommer 17.30 bis 19.00 Uhr) diese mit erfahrenen Bergführern bewältigen und erste Erfahrungen mit dem Begehen von Klettersteig machen.
Die beste Reisezteit in die Region ist von Juni bis Oktober. Trittsicherheit ist erforderlich, die griffige Felsen der Dolomiten sind ideal zum Klettern. Gesicherte Steige führen durch eine einzigartige Bergkulisse. Ende September ist es ideal zum Wandern in den Dolomiten, denn dann sind wenig Wanderer unterwegs und das Wetter ist meistens beständig.
Für alle, die es gemütlicher mögen bietet sich die Seceda für Genießer und Faulpelze an. Mit der Seilbahn fährt man zum höchsten Punkt der 2500 Meter hohen Seceda. Abwärts kann man dann über Almwiesen bis zur Regensburger Hütte wandern. Die Polenta con funghi sollte man unbedingt probieren. Ein breiter Weg führt bergab bis zur Baita Sangon Hütte in 1860 Meter Höhe mit einer großer Terrasse. Ein Liegestuhltest ist zu empfehlen.
Und hier die 4 verschiedenen Klettersteige:
- Klettersteig Kleine Cirspitze – kurz und knackig
- Klettersteig Große Cirspitze – leicht mit Rundblick
- Klettersteig Sas Rigais – Überschreitung Via Ferrata
- Tridentina al Pisciadù – Der berühmteste Klettersteig der Dolomiten
- Südtirol / Grödnertal - Val Gardena
- Mittwoch, 23. November 2011
Via Ferrata Tridentina al Pisciadù – Der berühmteste Klettersteig der Dolomiten von Gabi Dräger
Via Ferrata Tridentina al Pisciadù – Der berühmteste Klettersteig der Dolomiten von Gabi Dräger
„Zum Finale moch mer in schianschtn Klettersteig va die Dolomiten“, verspricht Albin. Der Pisciadù ist der schönste und deshalb meist begangene Steig. Das heißt früh starten, um nicht im „Klettersteigstau“ zu stehen. Unterhalb des Grödner Jochs vom großen Parkplatz führt ein kurzer Pfad durch den Wald zur steilen etwas feuchten Felsenwand mit Leitern und Klammern. Dann gehen wir durch Latschengebüsch auf einem Wanderweg ein Stück leicht bergab zum eigentlichen Einstieg des Pisciadù und klicken unsere Karabiner an das Sicherungsseil. Natürlich nimmt uns Albin noch ans Seil. Die erste Etappe ist noch einfach, doch dann wird der Fels steiler. Immer aufrecht gehen und weg vom Fels, wir befolgen, was wir gelernt haben. In unendlicher Tiefe sehen wir Corvara im Tal liegen. Unten in der Wand machen sich die nächsten Gruppen für den Aufstieg bereit. Fast senkrecht arbeiten wir uns bis unterhalb des Steilaufschwungs des Exnerturms aufwärts. Hier kann man aus dem Klettersteig, quasi einem „Notausstieg“, auf einen leichtern Weg aussteigen, aber für uns kommt das natürlich nicht mehr in Frage. Die nächste Etappe ist der schwierigste Teil. Wir klettern hochkonzentriert aufwärts und sind stolz über jeden gemachten Meter. Gut, dass wir schon was gelernt haben an den vorhergehenden Klettersteige. Wir klettern im griffigen Fels über Klammern und eine Leiter fast senkrecht aufwärts. Hin und wieder ersetzen Eisenstift fehlende Tritte im Felsen. Nach unten sehen wir schon lange nicht mehr. „Meine Knie zittern“, gibt Wolfgang zu. „Jetzt isch es nimmer weit“, beruhigt ihn Albin. Rechts vom Wasserfall, der im Herbst meistens kein Wasser führt, klettern wir über gut gestuften, griffigen Fels aufwärts und queren bis zur stabilen aber leicht schwankenden Metallbrücke, die über eine Schlucht zum Hochplateau führt. Geschafft. Wir umarmen uns vor Freude und fühlen uns wie die Helden. Stramme 600 gut gesicherte Höhenmeter sind kein Pappenstil. Bis zum Rifugio Pisciadù neben dem jadefarbenen See sind es nur ein paar Schritte. Die Szenerie überragt die gewaltige Piscadúspitze mit fast drei Tausend Meter Höhe. Eine lange Pause und eine große Portion Spaghetti Bolognese haben wir uns jetzt redlich verdient. Die gemütliche Hütte bewirtet schon seit mehr als hundert Jahren Bergsteiger. Dunkle Wolken, die schnell aufziehen treiben uns zum Abstieg. Wir gehen auf dem Normalweg Val Setùs mit nur ein paar seilgesicherten Abschnitten zurück. Adrian, darauf ist er besonders stolz, darf den Vorstieg machen.
Ausgangspunkt: Parkplatz unterhalb des Grödnerjochs
Anstieg zum 1968 erbauten Klettersteigs Zeit:10 Minuten
Aufstieg Klettersteig: 2 ½ Stunden bis 3 Stunden
Hütte: 2.585 Meter
Abstieg Klettersteig: 1 ½ Stunden
Schwierigkeit: mittelschwer bis schwer
Höhenmeter Klettersteig Aufstieg: 600 Meter
Höhenmeter Klettersteig Abstieg: 600 Meter
- Grödnertal - Val Gardena / Klettersteige
- Mittwoch, 23. November 2011
Klettersteig Sas Rigais – Überschreitung von Gabi Dräger
Klettersteig Sas Rigais – Überschreitung von Gabi Dräger
Zum Sas Rigais geht es erst einmal gemütlich mit der Bergbahn zum Col Raiser und dann über Almwiesen leicht aufwärts. Ein mittelschwerer Klettersteig ist heute dran, erklärt Reinhard. Damit wir uns nicht zu sehr an einen Bergführer gewöhnen, geht heute nicht Albin sondern Reinhard, der Chef der Bergschule, mit uns. Wir wandern am Naturpark Geisler-Puez entlang und beginnen den Aufstieg im Geröll der Mittagsscharte. Mit verstohlenen Blicken suchen wir den Einstieg zum Klettersteig. Wir halten den Atem an – ein Einstieg, in dem ein Seil verläuft, endet in einem Kamin. Das Herz rutscht in die Hose. Nein, das ist eindeutig zu schwer. Reinhard bemerkt unsere verzweifelten Blicke und deutet auf die Mittagsscharte, die wir weiter aufsteigen müssen. Das Seil dort ist die Wasserleitung für die Kühe, so klärt er uns lachend auf. Befreites Aufatmen allerseits. Wir hatschen die Serpentinen aufwärts und erreichen den Südwest-Einstieg in den Klettersteig. Am Anfang gibt es seilgesicherte Passagen und dann geht es in Serpentinen im Geröll aufwärts. Drei junge italienische Burschen springen leichtsinnig in Turnschuhen, wie die Gämsen bergab. Wir gehen gleichmäßig mit kleinen Schritten aufwärts, das schont die Kondition. Der letzte Aufstieg über den Grat zum Gipfelkreuz führt über felsige und seilgesicherte Stufen und erfordert noch einmal unsere ganze Konzentration. Wir ziehen wir uns noch meistens verkrampft am Sicherungsseil hoch und unsere Arme werden müde. Eine Hand ans Seil und eine Hand am Felsen korrigiert uns Reinhard hin und wieder. Bei einem zwei Meter langen schmalen Gart der an beiden Seiten steil abfällt, hat Adrian aus Würzburg Probleme weiter zu gehen. „Du pocksch des schun, der Steig isch broat genua“, wird er von Reinhard ermuntert. Mit zusammengebissenen Zähnen und kleinen Schritten geht Adrian dicht hinter Reinhard über die ausgesetzte Stelle. Dohlen erwarten uns schon am Gipfelkreuz in 3.025 Meter Höhe. Sie verschmähen Brot und fressen nur Leckereien wie Schinken und Salami. Es fängt leicht an zu graupeln. Wir verlassen den jetzt unwirtlichen Platz und gehen an der Ostseite abwärts. Der Abstieg ist leichter als der Aufstieg. Umdrehen und vorwärts am Sicherungsseil gehen, das Gelände ist nicht so schwer, rät Reinhard. Wir stellen fest, dass wir dabei viel besser die Tritte sehen und lachen, als uns Reinhard erklärt, dass Gämsen auch nicht rückwärts durchs Gebirge gehen. Zurück an der Bergstation Col Reiser feiern Grödner in ihrer heimischen Tracht Kirchweih. Gestandene Mannsbilder lassen Peitschen schnalzen, deren Knall weit über das Tal hallt. Ein Chor singt La Montanara auf der Terrasse der Bergstation. Die Stimmung gleicht einer feierlichen Theateraufführung vor der Kulisse der Dolomiten.
Ausgangspunkt: Bergstation der Gondelbahn am Col Raiser (2.107 Meter)
Zeit Anstieg zum Klettersteig: 1 1/2 Stunden
Zeit Aufstieg Klettersteig: 2 Stunden
Gipfel: 3.025 Meter
Zeit Abstieg Klettersteig: 1 ¼ Stunden
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Höhenmeter Aufstieg Klettersteig: 900 Meter, davon 550 Meter Klettersteig
Höhenmeter Abstieg Klettersteig: 900 Meter, davon 350 Meter Klettersteig
- Grödnertal - Val Gardena / Klettersteige
- Mittwoch, 23. November 2011

