Sauerampfer (Rumexacetosa)

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Der Sauerampfer (Rumexacetosa)

gehört zur Familie der Knöterichgewächse und ist ein richtiger Überlebenskünstler. Nicht nur, dass seine Samen, von denen tausende pro Pflanze abgegeben werden, mehrere Jahre im Boden überleben, auch in der Gülle bleiben diese keimfähig und so verbreitet er sich durch Gülledüngung aus. Man bezeichnet den Sauerampfer daher auch als Zeigerpflanze, da er sich auf Grünflächen, die vor allem durch Gülle gedüngt werden extrem ausbreitet. Auch seine bis zu 1,5 m tiefen Speicherwurzeln bleiben selbst in kleinen Teilen noch regenerationsfähig. Der Sauerampfer ist daher sehr schwer zu bekämpfen, obwohl er von den Landwirten wenig geliebt wird, da er sich in Silage und Heu schlecht konservieren läßt und vom Vieh verschmäht wird.

Doch viele von uns, die das Glück mit auf solche Erfahrungen hatten, haben als Kind auf seinen Blättern herum gekaut und es gibt gute Gründe dies auch regelmäßig als Erwachsener zu tun. Der Sauerampfer enthält sehr viel Vitamin C. Durch den hohen Vitamin C-Gehalt, wurde Sauerampfer bereits im Mittelalter von den Seefahrern als Mittel gegen Skorbut genutzt. Außerdem enthält er organische Eisenverbindungen. Daher sollte er bei einer blutreinigenden Frühjahrskur nicht fehlen. Auch bei Verdauungsbeschwerden wurde Sauerampfer bereits seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt. Doch Vorsicht, er enthält auch Oxalsäure, die besonders bei Nierenkranken in größeren Mengen genossen gesundheitsschädlich ist. Sauerampfer wird auch als reinigende Kompresse gegen fettiger und unreiner Haut genutzt. Dafür werden eine Handvoll Sauerampferblätter in einem Viertelliter Wasser gekocht, nach der Sud abgekühlt ist, durch einen Sieb geseiht, ein Tuch damit tränken und auf das gut gesäuberte Gesicht legen. In einigen Rezepten wird anstelle des Wassers auch Wein genutzt, ich finde es aber sinnvoller, wenn der Wein zur Unterstützung der inneren Anwendung vorgezogen wird.

Kommen wir nun zurück zur Pflanze. Der Sauerampfer ist eine mehrjährige und krautige Pflanze. Er wird bis zu einem Meter hoch und seine kleinen roten Blüten bilden sich an blattlosen Stängeln als Rispe aus. Die Blütezeit ist von Mai bis August. Er wächst besonders gut auf nährstoff-, stickstoffreichen und lehmigen Boden. Die Blätter des Sauerampfers kann man von Frühjahr bis in den Herbst sammeln. Achten sollte man darauf, dass man junge, makellose Blätter nutzt. Ältere Blätter, die oft auch rostbraune Löcher haben, sollte man nicht nutzen. Auch sollte man möglichst keine Pflanzen und Blätter pflücken, die auf gedüngten Flächen und an Straßenrändern wachsen

Sollte einem das Sammeln zu mühselig sein, kann man den Sauerampfer inzwischen auch im gut sortierten Gemüseladen kaufen, oder wenn man einen Garten hat, läßt er sich auch gut anbauen. Wenn man dabei darauf achtet, dass man immer nur die jungen Blätter pflückt, wachsen schnell neue Blätter nach und ich kann so auch hier bis in den Herbst ernten.

Zum Schluss möchte ich Euch wieder einige Rezepte an die Hand geben, eine Sauerampfer-Suppe mit Kopfsalat, eine Kräutersuppe mit Sauerampfer und Spinat und die hessische Spezialität „Grüne Soße“. Darüber hinaus kann ich Sauerampfer auch wie Spinat zubereiten, oder ich füge etwas Sauerampfer unter Spinat, der damit würziger wird. Auch mit Mangold gemischt und als Gemüse gekocht, schmeckt Sauerampfer hervorragend.Für die Sauerampfer-Suppe mit Kopfsalat benötige ich etwa eine handvoll Sauerampferblätter, zwei Kopfsalatherzen, etwas Butter, 600ml Gemüsebrühe, 150g Sahne, Salz und Pfeffer. Zunächst werden der Sauerampfer und die Salatherzen fein geschnitten und gewaschen. Dann werden die Streifen in Butter kurz angedünstet und mit der Gemüsebrühe aufgegossen. Die Suppe etwa 20 Minuten kochen mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dann fein mixen und kurz vor dem Anrichten etwas Sahne zufügen. Als Beilage eignen sich geröstete Weißbrotstreifen hervorragend.

Für die Kräutersuppe mit Sauerampfer und Spinat benötigt man eine handvoll Sauerampferblätter, etwa die gleiche Menge Blattspinat, ein Bund Schnittlauch, eine Knoblauchzehe etwa 100g Champignons, eine Schalotte, 600ml Gemüsebrühe, 150g Sahne, zwei Eßlöffel Weinbrand, ein Eigelb, Butter, Salz und Pfeffer. Zunächst werden der Blattspinat und der Sauerampfer grob gehackt und gewaschen. Den Schnittlauch und die Knoblauchzehe fein hacken. Die Schalotte ebenfalls fein würfeln und in Butter anschwitzen, die Champignons putzen und in Scheiben schneiden zu den Schalotten geben und ca. fünf Minuten mit dünsten. Danach die restlichen Kräuter zugeben kurz mit dünsten und mit der heißen Gemüsebrühe und der Sahne aufgießen, nicht mehr kochen lassen. Dann mit Salz, Pfeffer und Weinbrand abschmecken. Das verquirlte Eigelb mit etwas Suppe verrühren, zur restlichen Suppe dazugeben und gleich servieren.

Als drittes Rezept möchte ich Euch die Frankfurter grüne Soße vorstellen. Diese hessische Spezialität ist leider in vielen Regionen Deutschlands noch absolut unbekannt. Doch ich werde jetzt dafür sorgen, dass die „Grie Soß“ ihren Siegeszug antritt. Die grüne Soße kann zu kaltem Braten oder Fisch gereicht werden und ist in vielen hessischen Familien mit Pellkartoffeln das traditionelle Gründonnerstagessen. Die grüne Soße hat ihren Ursprung wohl in der französischen Sauce vinaigrette. Die Frankfurter nahmen dann heimische Kräuter und reicherten sie mit saurer Sahne an, wobei in Hessen unterschiedliche Rezepte, teilweise auch ohne saure Sahne bekannt sind.

Für unser Rezept benötigt man etwa 300g Kräuter. Es sollten mindestens sieben verschiedene Kräuter in zu gleichen Teilen sein, wobei gilt „je mehr desto gut“. Folgende Kräuter bieten sich je nach Saison an Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Sauerampfer, Dill, Borretsch, Kresse, Estragon, Liebstöckel und Zitronenmelisse. Weiterhin benötige ich 2 Zwiebeln, 4 hart gekochte Eier, 1 EL Essig, 2 EL Oel, ¼ Liter saure Sahne (Schmand), 150 g Joghurt, 1 Prise Zucker, Salz und Pfeffer. Die Kräutermischung gibt es in Hessen auch im Gemüseladen zu kaufen.

Zunächst verlese ich die Kräuter, wasche sie gründlich und lasse sie abtropfen. Zusammen mit den Zwiebeln werden sie dann sehr fein gehackt und in einer großen Schüssel mit dem Essig, dem Oel, Schmand und Joghurt vermischt und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Eine Stunde kalt stellen und durchziehen lassen. Die Eier grob hacken und unterrühren. Nochmals mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken, weitere 15 Min. ziehen lassen und dann mit der entsprechenden Beilage servieren.

Guten Appetit.