Was Süßes für zwischendurch

Um sich an Walderdbeeren wirklich satt zu essen, müsste man sicherlich eine beträchtliche Menge sammeln, doch ihr unvergleichliches Aroma macht jede einzelne Frucht zu einem besonderen Genuss. Ich finde, dass es sich bei einem Spaziergang durch den Wald unbedingt lohnt, innezuhalten und die kleinen, leuchtend roten Kostbarkeiten der Natur zu probieren. Die Walderdbeere trägt nur wenige, etwa einen Zentimeter große, rundliche Früchte, die derzeit Saison haben und den ganzen Sommer über zu finden sind. Reife Walderdbeeren erkennt man daran, dass sie sich bereits bei sanfter Berührung leicht ablösen lassen. Nach Empfehlung des NABU sollte ich alle unreifen Früchte an der Pflanze belassen, da diese nach dem Pflücken nicht weiterreifen.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich große Mengen Walderdbeeren nach Hause tragen werde, denn ihr Geschmack entfaltet sich am besten, wenn sie direkt frisch verzehrt werden. In der christlichen Symbolik steht die Erdbeere für Tugendhaftigkeit und fromme Gedanken, während sie in der Antike als Symbol für Verlockung und Lebensfreude galt. Persönlich fühle ich mich eher von der antiken Interpretation angesprochen, wie auch NABU-Sprecher Helge May es ausdrückt.

Sollte es dennoch gelingen, einige Walderdbeeren zu sammeln, lassen sie sich vielseitig verwenden – ähnlich wie Gartenerdbeeren. Sie bereichern Blattsalate mit einer fruchtigen Note, eignen sich hervorragend für Smoothies oder als Zutat in selbstgemachtem Eis. Besonders hervorzuheben ist die Walderdbeeren-Konfitüre, die mit ihrem einzigartigen Geschmack überzeugt. Allerdings ist bei der Zubereitung Vorsicht geboten, da sich bei zu starker Erhitzung aus den kleinen Nüsschen Bitterstoffe lösen können.

Walderdbeeren sind eine ausgezeichnete Quelle für Vitamin C. Sie gedeihen sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern, bevorzugen nährstoff- und humusreiche Böden und schätzen lichtdurchflutete Standorte, meiden jedoch die intensive Mittagssonne. Durch ihre Fähigkeit, Ausläufer zu bilden, können sie freie Flächen entlang von Wegen oder auf Lichtungen rasch besiedeln. Mit etwas Glück entdecke ich dort dichte Teppiche aus Walderdbeeren.

Wie auch ihre kultivierten Verwandten werden Walderdbeeren gerne von Schnecken besucht. Ebenso zählen Mäuse, Eichhörnchen, Dachse und Füchse zu den Liebhabern der süßen Früchte. Auch Amseln, Rotkehlchen, Käfer, Wanzen und Ameisen bedienen sich an den Beeren und tragen so zur Verbreitung der Samen bei. Ich muss mir jedoch keine Sorgen machen, dass mein gelegentliches Naschen den Waldbewohnern Nahrung entzieht, wie Helge May betont. Es gehört zum respektvollen Umgang mit der Natur, stets auf den Wegen zu bleiben und nur dort Früchte zu pflücken – so bleibt für die Tiere immer ausreichend übrig. 

Gut zu wissen

  • Mehr Schein als Sein: Walderdbeeren sind eigentlich unverwechselbar. Neben der ebenfalls leckeren Zimt- oder Moschuserdbeere wachsen in unseren Wäldern neuerdings auch sogenannte Scheinerdbeeren. Die Früchte dieser ausbreitungsfreudigen asiatischen Art sind essbar, aber nahezu ohne Geschmack. Während reife Walderdbeeren am Stiel überhängen, stehen sie bei der Scheinerdbeere meist aufrecht.
  • Würmer und Viren: Völlig ohne Risiko ist die Selbstbedienung im Wald nicht. Auch Mitteleuropa ist nicht frei von Krankheitserregern und Parasiten. Die Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel mit Hantaviren oder Eiern des Fuchsbandwurms in Kontakt zu kommen, ist gering und regional sehr unterschiedlich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, widersteht der Versuchung des Direktverzehrs und greift erst zu, wenn die Früchte gründlich gewaschen und erhitzt wurden.
  • Waldbeeren-Sommer: Wird im Supermarkt bei Joghurt oder Eis mit „Waldbeeren“ geworben, sind meist Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren mit abgebildet. Aus dem Wald kommen die Zutaten sicher nicht, aber man kann sie alle im Sommerwald finden. Himbeeren sind jetzt bereits reif, die Heidelbeersaison fängt gerade an und auch bei den Brombeeren geht es bald los.
  • Bodendecker mit Geschmack: In Gärten und im Erwerbsobstbau haben die großfrüchtigen, aus Amerika stammenden Gartenerdbeeren die Walderdbeeren schon vor langer Zeit verdrängt. Dabei lassen sich die kleinen Aromabomben im Garten leicht kultivieren, idealerweise auch hier im Halbschatten, wo die niedrigwüchsigen Pflanzen gute Bodendecker abgeben. Zuchtformen werden oft als sogenannte Monatserdbeeren angeboten.

Über den Autor*Innen

Jörg Bornmann

Als ich im April 2006 mit Wanderfreak an den Start ging, dachte noch keiner an Blogs. Viele schüttelten nur ungläubig den Kopf, als ich Ihnen von meinem Traum erzählte ein reines Online-Wandermagazin auf den Markt zu bringen, welches eine hohe journalistische Qualität aufweisen kann, eine Qualität, die man bisher nur im Printbereich kannte. Mir war dabei bewusst, dass ich Reisejournalisten und Spezialisten finden musste, die an meine Idee glaubten und ich fand sie.