Aktivurlaub auf Wollin

Ob zu Fuß, auf dem Fahrrad oder im Kanu, die Natur auf Wollin lockt den Aktivurlauber mit wunderbaren Natur - (c) Gabriele Beautemps

Wollin - wo in aller Welt liegt Wollin? Gar nicht so weit weg – unmittelbar neben Usedom, auf polnischem Gebiet. In Polen ist die westpommersche Ostseeinsel beliebt, gehört neben Kolberg und Swinemünde zu den Top 3-Badezielen im Land. Hierzulande ist Wollin (polnisch Wolin), noch ziemlich unbekannt, ein Geheimtipp. Dabei eignet sich die Gegend wunderbar zum Wandern und auch zum Radfahren. Tolle Wege durch alte Buchen- und Kiefernwälder, Routen mit Blick auf die Steilküste oder im Süden aufs Stettiner Haff – eine Entdeckung, die sich lohnt.


Wollin ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Im Westen grenzt die Insel an Usedom, bis zu den Kaiserbädern sind’s keine 30 Kilometer. Doch anders als in Heringsdorf und Co gibt es auf Wollin kaum prächtige Villen und Promenaden, stattdessen ganz viel Natur: weiße Sandstrände, zum großen Teil ohne Bebauung, dazu viel Grün und wilde Bäche, die sich hervorragend zum Kanufahren eignen. Fast 40 Prozent der Fläche gehören zum Wolliner Nationalpark, ein Paradies für Wanderer. 

Zahlreiche Wege führen durch stille Wälder zu Klippen mit herrlichen Aussichtspunkten. Egal, wo man wandert: Die Ostsee ist nie weit entfernt. Auf der Wanderung von Lubin am Stettiner Haff nach Misdroy an der Ostsee zwitschern Hunderte Vögel, der Wind rauscht in den Blättern – sonst ist nichts zu hören. Viele dieser hoch gewachsenen Buchen sind über hundert Jahre alt. 220 Vogelarten soll hier geben, unter anderem Seeadler, das Wappentier des Nationalparks.

Eine andere tolle Tour, die wir mit Darek von Wikinger Wanderreise unternehmen, führt uns durch dichte Wälder nach Wapnica zum Türkissee. Der See ist durch den Kalkabbau entstanden. Nachdem die Rote Armee 1945 die Anlage demontiert hat, füllte sich die 21 Meter tiefe Grube allmählich mit Grundwasser und es entstand ein See, wunderschön anzuschauen in seinem satten Türkisgrün.

Allenfalls während der polnischen Schulferien im Juli und August wird’s voll auf Wollin, besonders in Misdroy (polnisch Międzyzdroje). Im zentralen Badeort der Insel drehen sich immer öfter die Baukräne. Wie überall an Europas Küsten wachsen großflächig verglaste Appartementhäuser in die Höhe.

Doch ganz oft scheint die Zeit auf Wollin stehen geblieben. Auf der Tour rund um die Seenplatte von Wiselka kommen wir durch verschlafene Dörfer. Störche haben sich auf Dächern alter Bauernhäuser eingerichtet, füttern dort ihren Nachwuchs. Ansonsten ist kaum ein Lebewesen zu sehen. An den Wegkreuzungen sind Marienkreuze mit Blumengirlanden aus Plastik behängt. Doch obwohl die Polen als streng katholisch gelten, ist am Sonntag Morgen in den kleinen Tante Emma-Läden Betrieb. Es gibt hier alles zu kaufen, was zu Hause fehlt - von warmen Socken bis zum eingelegten Hering.

Nicht nur Wanderwege, auch Fahrradrouten wurden neu angelegt, oft auf den landwirtschaftlichen Wegen, und auch mitten durch den Wald. Landwirtschaft und Fischfang waren jahrhundertelang die Haupteinnahmequelle, jetzt ist es zunehmend der Tourismus. Auch Marek, ein Kellner aus Wollin, hat bis vor kurzem sein Geld auf einem Trawler verdient – ein halbes Jahr auf hoher See, ein halbes Jahr zuhause. Mittlerweile ist er sesshaft geworden und froh, jeden Abend zu seiner Familie zurückzukehren.

Wollin war einst eine reiche Handelsstadt, und davor ein Stützpunkt der Wikinger. Abgesandte des dänischen Wikingerkönigs Harald Blauzahn sollen hier um das Jahr 1000 die Siedlung Jomsburg gegründet haben, als Hafen für 300 Langschiffe. Das hervorragend konzipierte Freilichtmuseum „Slawen- und Wikingersiedlung Wollin“ hat diese Siedlung rekonstruiert. Hier können Besucher nachvollziehen, wie die Menschen in der damaligen Zeit gelebt haben und zugleich auch einige alte Handwerkstechniken ausprobieren.

Auf keinen Fall sollte man den Aussichtspunkt Tarasy Widokowe (www.grodziskolubin.pl) in Lubin verpassen. Hier oben stehen noch die Reste einer mittelalterlichen Festung. Im 11. Jahrhundert wurde an dieser strategisch wichtigen Stelle an der Einfahrt zur Swine eine Schutzburg gebaut. Schon ein paar Jahrzehnte später wurde die Burg zerstört. Aber das Großartigste an dieser Stelle ist die Aussicht auf das Swinedelta am Stettiner Haff. Wer den Blick genießen will, muss umgerechnet 2 Euro Eintritt zahlen – eine lohnende Investition. Als wir in dem empfehlenswerten Café dort eine Rast einlegen, kreisen freundlicherweise gerade Seeadler über den Salzwiesen. Klar kann man die riesige Flügelspannbreite erkennen. Bis zu 2,50 Meter breit sollen sie sein.

Sogar Wisente bekommt man auf Wollin zu Gesicht. 18 dieser massigen Tiere werden in einem Gehege rund zwei Kilometer außerhalb von Misdroy gehalten. Die Wisente gehören zu den stark bedrohten Tierarten. Einige der letzten lebenden Exemplare hat man auf Wollin aufgenommen. Inzwischen werden sogar wieder Jungtiere geboren worden, ein bis zwei Kälber im Jahr. Ihr Name beginnt mit „Po“, als Hinweis auf ihre polnische Herkunft. Um die genetische Vielfalt zu erhalten, werden Wisente zwischen verschiedenen Zuchtanlagen ausgetauscht. Die Tiere leben geschützt in einem eingezäunten Gehege auf 27 Hektar, eine Begegnung mit Menschen wäre zu gefährlich, vor allem zur Brunftzeit. Ein ausgewachsener Wisent bringt immerhin 1000 Kilo auf die Waage.

Wanderer, die ihren Füßen mal eine Ruhepause gönnen wollen, können auf einer der schönsten Kanurouten Westpommerns die Ina kennenlernen. Der Fluss schimmert tiefgrün, an den Ufern tummeln sich Libellen und Schmetterlinge. Immer wieder gilt es dicke Baumstämme zu umfahren, die im Wasser gelandet sind: also mal entspannend, mal abenteuerlich. Fazit: Wollin ist eine Entdeckung wert, egal ob an Land oder im Wasser.


Gut zu wissen
Weitere Informationen zu Wollin finden Sie hier es auf der Seite des Polnischen Fremdenverkehrsamts...  

Die öffentlichen Busverbindungen auf Wollin sind ziemlich dünn gesät. Ein Auto ist also ganz praktisch. Alternativ bietet sich eine geführte Reise an.

Wikinger Reisen hat einige Reisen mit geführten Wanderungen inklusive Transfer auf Wollin und in der Umgebung im Programm. Zum Beispiel: „Polnische Ostseeküste für Aktivurlaub-Einsteiger“ mit leichten Wanderungen auf Wollin, einer Tour in Danzig und in der Kaschubischen Schweiz. Auf einer anderen Reise kann man Wollin und das benachbarte Usedom entdecken. Und auch eine Reise für Alleinreisende ist dabei: „Klippen und Strände auf der Insel Wollin“. 

Wanderreisen mit Wikinger auf Wollin/Westpolen
Klippen und Strände auf der Insel Wollin: 7 Tage ab 1.285 Euro, Juni, August und September, min. 8, max. 18 Teilnehmer
Die polnische Ostseeküste für Aktivurlaub-Einsteiger: 10 Tage ab 1.770 Euro, Juni, August und September, min. 10, max. 20 Teilnehmer
Weitere Infos über das Angebot von Wickinger Reisen finden Sie hier...

Wer eine Kanutour unternehmen möchte: Die Kajakbasis am Rega in Resko  (www.szkolakajakowa.pl) verleiht Boote und organisiert den Transfer.

 

Über den Autor*Innen

Gabriele Beautemps

Gabriele Beautemps

Reisen, eine schöne Zeit haben - Gabriele Beautemps möchte dazu ein paar Anregungen liefern. Das hat sie schon als Redakteurin im Reisejournal der Funke-Mediengruppe getan. Mittlerweile schreibt sie für verschiedene Zeitschriften und Blogs wie radlfreak. Ein Schwerpunkt ist Outdoor. Frische Luft und ein tolles Panorama machen einfach glücklich.