Wandern mit Meerblick in Ligurien

Wandern mit Meerblick in Ligurien - Unterwegs zwischen den fünf Dörfern der Cinque Terre - (c) Christine Kroll

Die Cinque Terre - zu Deutsch Fünf Länder oder genauer Fünf Dörfer - liegt in Italiens Provinz Ligurien ca. 80 Kilometer östlich von Genua. Der gleichnamige Nationalpark mit den fünf namensgebenden Dörfern Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore ist eines der beliebtesten Wanderziele Italiens.

Ein besonderer Landstrich
Die fünf Dörfer waren bis weit in das 19. Jahrhundert nur zu Fuß oder per Pferd über schmale Pfade sowie per Boot über das Meer erreichbar. Die Lebensgrundlage der Menschen waren der Fischfang sowie der Anbau von Wein, Oliven und Zitrusfrüchten, was sich noch heute in der terrassenförmigen Kulturlandschaft an den Berghängen widerspiegelt. Aufgrund der Einzigartigkeit der Region erklärte die UNESCO die Cinque Terre bereits 1997 zum Weltkulturerbe.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Genua nach La Spezia ab 1874 wurden die Orte an die “Außenwelt” angebunden und waren - jeder mit einem eigenen Bahnhof - nun besser erreichbar. Bis heute gelangt man am besten per Bahn von Dorf zu Dorf. Lediglich Manarola und Riomaggiore sind über eine gut ausgebaute Landstraße zu erreichen. Parken ist dagegen in allen Orten schwierig und teuer.

Die Dörfer zeichnen sich durch ihre einmalige Lage an der steilen Küste der Riviera aus. Der größte Ort ist Monterosso al Mare ganz im Westen. Hier finden Besucher auch den einzigen großen Sandstrand der Region. Vernazza, Manarola und Riomaggiore bezaubern mit bunten Häusern in schmalen Gassen sowie malerischen kleinen Häfen. Die Häuser kleben förmlich an den steilen Berghängen. Corniglia liegt als einziges Dorf nicht direkt am Wasser, sondern thront auf einer fast 100 Meter hohen Klippe über dem Meer.

Mit Ausnahme von Corniglia gibt es in allen Orten ein breites Angebot von Unterkünften, von der Ferienwohnung bis hin zum gehobenen Hotel. Durch die gute Anbindung aller Orte per Zug ist es allerdings gar nicht unbedingt nötig, direkt in den Dörfern zu übernachten. Deutlich preisgünstiger schläft und isst man in den Orten Levanto oder Bonassola westlich des Nationalparks. Hier sind die Unterkünfte auch alle per PKW erreichbar und es gibt schöne Sandstrände. Mit dem Zug gelangt man im 10- bis 15-Minuten-Takt bequem in jedes der Dörfer und wieder zurück.

Ausflugsboote, die mehrmals täglich zwischen Levanto und Portovenere verkehren, sind eine weitere schöne Möglichkeit, die einzelnen Dörfer zu besuchen. Es werden alle Dörfer angefahren und mit einem Tagesticket kann man jederzeit aus- und in das nächste Boot wieder einsteigen. Vom Wasser erhält man eine gänzlich andere, ebenfalls schöne Perspektive der Dörfer.

Der Klassiker: Wanderweg Nr. 2
Der bekannteste und beliebteste Wanderweg in der Cinque Terre ist der Wanderweg Nr. 2. Der Weg führt auf rund 15 Kilometer von Monterosso nach Riomaggiore und passiert dabei sämtliche Dörfer. Offiziell ist die Gehzeit mit fünf Stunden ausgeschrieben, was aber nur gute Bergläufer schaffen dürften. Auch wenn der höchste Punkt des Weges in Prevo kurz vor Corniglia auf nur 208 Metern über dem Meer markiert ist, darf man das auf und ab auf der Route nicht unterschätzen: Insgesamt kommen zwischen Monterosso und Riomaggiore gute 900 Höhenmeter zusammen. Über steile Stufen und schmale Steige geht es zwischen den Dörfern, die bis auf Corniglia alle auf Meereshöhe liegen, kontinuierlich bergauf und bergab.

Ohnehin ist der Weg viel zu schön, um ihn im Eiltempo zu durchwandern. Um unterwegs ausreichend Zeit für Badepausen, Dorf-Besichtigungen, einen Cappuccino und das tolle Panorama zu haben, sollte man die Wanderung auf dem Weg Nr. 2 idealerweise auf zwei Tage aufteilen. Dafür kann man entweder auf halber Strecke übernachten oder mit dem Zug den jeweiligen End- und Startpunkt ganz einfach erreichen. So bleibt man flexibel, wie weit es am ersten Tag gehen soll, da man von jedem Dorf den Rückweg antreten kann.

Die ersten beiden Abschnitte des Weges von Monterosso nach Vernazza und weiter nach Corniglia sind gebührenpflichtig. Hierfür müssen Wanderer die Cinque Terre Card erwerben, die für einen Tag 7,50 € und für zwei Tage 14,50 € kostet (Stand 2021). Es lohnt sich also diesen Abschnitt an einem Tag zu gehen. Für Zugfahrer gibt es die Cinque Terre Treno Card, die neben den Wanderwegen auch unbegrenzte Fahrten mit den Zügen beinhaltet. Der Kauf der Karte lohnt sich allerdings erst ab drei Fahrten. Wer nur hin und zurück fährt, ist mit dem separaten Kauf von Zugtickets und Wanderkarte besser beraten.

Es kommt immer wieder vor, dass Teile des Weges wegen Erdrutschen oder Restaurierungsarbeiten gesperrt sind. In der Regel werden in diesen Fällen Umleitungen über andere Wege ausgeschildert, so dass die Wanderung durch alle Dörfer trotzdem absolviert werden kann.

Die Alternative: Wanderweg Nr. 1
Der Hafenort Portovenere ist nicht mehr Teil der “offiziellen” fünf Dörfer. Er liegt wunderschön auf einer Landzunge am südlichen Ende des Nationalparks. Ambitionierte Wanderer können von hier über einen Höhenweg zunächst nach Campiglia und dann weiter bis Riomaggiore wandern. Der als Weg Nr. 1 bezeichnete Wanderweg ist deutlich anspruchsvoller als der berühmte Weg Nr. 2, weshalb er sich durch weitgehende Einsamkeit auszeichnet. Der erste Aufstieg aus Portovenere ist mit hohen Steinstufen und leicht technischem Gelände der anstrengendste Teil der Route und bietet durchgängig atemberaubendes Panorama. Für die zwölf Kilometer lange Strecke mit etwa 700 Höhenmetern sollten gute fünf Stunden Gehzeit eingeplant werden. In einigen Führern wird die Wanderung von Riomaggiore nach Portovenere empfohlen, die hier beschriebene Richtung hat den Vorteil, dass der anspruchsvollste Teil des Weges bergauf und nicht bergab gegangen wird. Außerdem ist Portovenere nicht per Zug, sondern nur mit dem Boot oder einem Bus über La Spezia erreichbar. Da die Züge ab Riomaggiore länger und regelmäßiger fahren als die Boote oder Busse ab Portovenere, gerät man mit Riomaggiore als Endpunkt während der Wanderung nicht in Zeitnot.

Die beiden hier beschriebenen Wanderwege sind natürlich nur ein Bruchteil der Möglichkeiten im Nationalpark Cinque Terre. Über 120 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen den Park und bieten unzählige Möglichkeiten in allen Schwierigkeitsgraden. Auch der Weitwanderweg Alta Via dei Monti Liguri führt hier vorbei. Im Handel sind zahlreiche Wanderführer mit Tourenvorschlägen verfügbar.

Reisezeit: Die Wandersaison in der Cinque Terre dauert von Ende März bis Ende Oktober. Im Juli und August ist es mit über 30°C am heißesten, dafür kann man gut im Meer baden. Ideale Temperaturen zum Wandern herrschen im Früh- und Spätsommer, weswegen es in dieser Zeit recht voll werden kann. Wer mit weniger Menschen unterwegs sein möchte und auch mal einen Regentag in Kauf nimmt, sollte auf die Randzeiten im März, April und Oktober ausweichen.

Anreise: Die Cinque Terre liegt gute 700 Kilometer von München entfernt und ist aus Süddeutschland in einem Tag per PKW erreichbar. Ohne Auto fliegt man am besten nach Mailand und ist von dort mit dem Zug via Genua in weniger als vier Stunden der Cinque Terre. Alternativ gibt es gute Zugverbindungen von München über Verona oder von Stuttgart über Zürich. Je nach Verbindung ist man hier zehn bis zwölf Stunden unterwegs. Da man für Unternehmungen in der Cinque Terre kein Auto braucht, ist dies eine attraktive Anreisemöglichkeit.

Weitere Informationen und Status der Wanderwege - parconazionale5terre.it

Über den Autor*Innen

Wanderfreak Autorin Christine Kroll

Christine Kroll

Mit einer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und anschließendem Studium der Tourismuswirtschaft hat Christine nach dem Abitur ihr Hobby Reisen zum Beruf gemacht. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als Produktmanagerin bei verschiedenen Reiseveranstaltern. In ihrer Freizeit ist Christine am liebsten draußen. Je nach Saison findet man sie zu Fuß, mit dem Mountainbike oder auf (Touren-)Ski in den Bergen. Egal ob in den heimischen Alpen oder auf einer ihrer Reisen in Europa und der Welt, draußen aktiv zu sein gehört für Christine immer dazu.