Nordschwarzwald: Tour zu den Teufelskammern

Nordschwarzwald: Tour zu den Teufelskammern - (c) Armin Herb

Der bewaldete Bergrücken heißt Teufelsmühle und dort hinauf führt ein Premiumwanderweg vom Schwarzwalddorf Loffenau. Eine sagenhafte Region zum Wandern und Waldbaden.

„Die Große Loffenauer Runde – ein anspruchsvoller Premiumwanderweg mit grandiosen Aussichten über den Hausberg Teufelsmühle.“ So steht es auf der Website des Schwarzwald Tourismus. Eigentlich ist die Teufelsmühle (908 m) gar kein klassischer Berg, eher ein ganzer Bergrücken mit viel „Schwarz-Wald“. Wer vom Rhein kommend das Murgtal hinauffährt, sieht bald linker Hand diesen dicht bewaldeten Kamm als Horizont. Es ist die höchste Erhebung zwischen den Thermalkurbädern Bad Herrenalb und Baden-Baden, den bekanntesten Orten dieser Region im Nordschwarzwald. Im Murgtal kennt jedes Kind den Schwarzwald-Berg mit Aussichtsturm. So mancher Familienausflug und Wandertag führte schon dort hinauf. Und so mancher Steppke trottete nicht immer freiwillig hinterher. Heute kann das aber auch ganz anders sein. Dort oben sieht man zwar immer noch vor allem die klassischen Naturfreunde, die Wanderer, aber auch jede Menge junge und ältere Aktivsportler, vom Mountainbiker über den E-Biker bis zum Trailrunner. Direkt unterhalb des Gipfels starten Gleitschirmpiloten und Drachenflieger zum Höhenflug mit Weitblick in den Pfälzer Wald und bis in die Vogesen in Frankreich. Und wer nur etwas Höhenluft schnuppern will, der kurvt mit dem Auto das schmale und steile Sträßchen den Bergwald hinauf. Das klingt nach Freizeit-Hot Spot. Ist es aber eigentlich gar nicht. Rund um den historischen Aussichtsturm aus Sandstein tummeln sich zwar gerne jede Menge Sportler und Spaziergänger. Aber im Wald abseits der Hauptrouten wird es schnell ruhig und einsam. Es führen so viele Wege und Pfade aus allen Himmelrichtungen zur Teufelsmühle, dass sich niemand auf die Füße tritt. 

Seit wenigen Jahren führt auch ein vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierter Premiumweg dort hinauf, allerdings nicht schnurstracks, sondern mit einigen spannenden „Umwegen“. Vom kleinen Kurpark des Schwarzwalddorfes Loffenau geht es zuerst aufs „Bergle“. Nomen est omen! Von diesem kleinen Berg hat man einen schönen Überblick über den gesamten Ort mit seinen traditionellen, schön gepflegten Fachwerkhäusern an der Dorfstraße. Bevor sich die Route zum Pfarrberg hinauf windet führt sie noch durch die kleine Schlucht der Laufbachwasserfälle und vorbei am Teich zwischen der alten Sägemühle und dem stattlichen Pfarrhaus. Dörfliche Idylle pur! Danach geht’s hinauf in den Wald. Die Aussichtspunkte auf dem Aizenbergweg bieten eine gute Möglichkeit für eine kurze Rast. Ab dem Rißwasen, einer lieblichen Lichtung mit Wiesen, wird der Weg schmaler und anspruchsvoller. In den Alpen würde man Steig dazu sagen. Hier ist es ein Pfädle. Bei den Teufelskammern kommen fast alpine Gefühle auf. Wer Wanderstöcke dabei hat, wird sich sicherer fühlen. Aber das Pfädle im steilen Bergwald ist gut mit Holzplanken gesichert. Bei den Teufelskammern handelt es sich übrigens um höhlenartige Erosionen im Buntsandstein. Eine wahrlich spannende Stelle auf der Runde, die bei den Einheimischen nur das „Große Loch“ heißt.

Übrigens wie über viele Begebenheiten und geheimnisvolle Orte in der Gegend erzählt man sich darüber märchenhafte Geschichten. In den Teufelskammern soll nicht nur der Leibhaftige gehaust haben, sondern auch das alte Erdweiblein, das aus Stroh Gold zaubern konnte. Die Höhlen sollen im 19. Jahrhundert Schmugglern und Wilderern als Unterschlupf gedient haben, die an der nahegelegenen ehemaligen Grenze zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden ihr Unwesen trieben.

Die Wandersleute, die heute den Pfad durchs „Große Loch“ an den Teufelskammern vorbei hinaufsteigen, kennen meist die alten Sagen und Geschichten nicht. Sie genießen die gute Luft im dichten Wald und das Naturphänomen der Sandsteinhöhlen, sammeln im Sommer Heidelbeeren oder Pilze und freuen sich schon auf den grandiosen Fernblick und ein Picknick an der Teufelsmühle. Am Aussichtsturm wundern sie sich vielleicht über den schrägen Humor eines Zeitgenossen: Ein stilisiertes Grab schmückt ein Holzschild mit des Teufels Grabrede: „Hier liegt mein Weib. Gott sei gedankt, wie oft hat sie mit mir gezankt. Drum lieber Wanderer rat ich dir, geh’ schnell von dieser Stelle hier, sonst steht sie auf und zankt mit dir.“

An der Teufelsmühle hat die Loffenauer Runde mit 908 Meter ü. M. ihren höchsten Punkt erreicht. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Schwarzwaldverein an dieser Stelle eine einfache Schutzhütte mit Feuerstelle errichtet. Diese brannte im Jahr 1909 ab und man baute daraufhin im Jahr 1910 einen massiven Aussichtsturm mit einfacher Unterkunft. Einige Jahre später entstand wenige Meter daneben unter Tannen das große Schwarzwald-Gasthaus, das mittlerweile jedoch – leider – nur noch am Wochenende geöffnet hat, aber dafür Ferienwohnungen für eine Auszeit in der Waldeinsamkeit bietet.

Apropos Teufelsmühle: Eine Mühle sucht man weit und breit vergebens. Nur die wuchtigen Sandsteinquader unterhalb des Turmes könnten mit etwas Phantasie von einem Mühlenbauwerk stammen. Die Kurzform der Sage, von der es wahrscheinlich so viele Varianten wie Erzähler gibt, lautet: Ein Müller im Murgtal hatte öfters Pech mit verheerenden Hochwassern am Fluss. Als es mal wieder geschah, schrie er laut: „Der Teufel soll alles holen, meine Seele würde ich ihm geben, wenn er mir eine Mühle auf den Berg bauen würde.“ Wie gerufen stand der Bocksbeinige da und versprach dem Müller eine große Mühle am Berg. Sie sollte fertig sein bis zum ersten Hahnenschrei am nächsten Morgen. Über Nacht entstand so die Mühle, aber der Müller bekam Gewissensbisse. Als der Teufel mit dem letzten Baustein heranflog, imitierte der Müller einen Hahnenschrei. Voller Wut donnerte der Teufel den letzten Stein auf die schöne Mühle. Von des „Teufels Mühle“ blieb nichts übrig als ein Haufen zertrümmerter Steine, die den Berg bis heute bedecken. Aus diesem Grund hieß der Berg in grauer Vorzeit auch Steinsberg.

Ab dem Teufelsmühle-Turm führt der Premium-Wanderweg nur noch bergab. Ein schmaler Pfad – ein „Pfädle“ – aber stets gut beschildert. In vielen Serpentinen zieht er sich den Bergwald hinunter. In früheren Zeiten hieß der obere Abschnitt deshalb auch „Zickzack-Pfad“. Es geht vorbei am zweiten Startplatz der Gleitschirmflieger, danach folgt die Michlsrankhütte, ein herrliches Aussichtsplätzchen mit rustikalen Holztischen für ein Picknick. Der letzte Abschnitt führt zum liebevoll gestalteten Märchenwald des Waldkindergartens und vorbei am Versuchs- und Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins, bevor man über die schönen Streuobstwiesen im Igelbachtal wieder den Ausgangspunkt Kurpark erreicht. Fazit: eine absolut lohnenswerte, sportliche Schwarzwald-Wandertour über 13 km Länge und 700 Höhenmetern.

Gut zu wissen
Tourismus Zweckverband „Im Tal der Murg Tel. 07225/98131-21/22, 
www.murgtal.org, www.loffenau.de, www.schwarzwald-tourismus.info 

Premiumwanderweg Loffenauer Runde (13 km, 704 Höhenmeter, mittelschwer)
www.schwarzwald-tourismus.info/touren/loffenau-grosse-loffenauer-runde-premiumwanderweg-ff92fcbe18

Über den Autor*Innen

Armin Herb

Armin Herb

Seit Kindheitstagen sitzt der studierte Geograf auf dem Fahrrad und erkundet die Landschaft in Nah und Fern. Allerdings ist er auch gerne zu Fuß unterwegs, insbesondere in den Alpen und im Schwarzwald. Er publizierte rund zwanzig Bücher zum Thema Radfahren und Mountainbiken und schreibt bis heute Beiträge über Reisen, Radfahren, Wandern und Wintersport für Tageszeitungen, Online-Portale und Fachmagazine.